Von die ollen Incas

Is ja eigentlich wie mit den Indianern in Nordamerika: Kommen irgendwann ein paar Europäer, versuchen die indigene Bevölkerung zu bekehren und wenn sie scheitern, ballern sie halt rum und am Ende gewinnen sie, weil sie die effektiveren Waffen haben. Aber irgendwie is es auch wieder anders, hier im Süden. Klar, gibt keine Incas mehr und da wo früher Incastädte waren, stehe heute häufig Kirchen – dieselben Steine übrigens, nur anders auf einander gestapelt. Und trotzdem: In den Kirchen hängen Bilder auf denen die Madonnen Kleider tragen, deren Form Berge repräsentieren – die Gottheiten der Incas – und auf denen Tiere und Früchte Südamerikas zu sehen sind. Und was noch viel wichtiger ist: Das, was die Spanier übrig gelassen haben, gehört heute zu den meistbesuchten Touriattraktionen – und damit auch zu den lukrativsten Einnahmequellen. In Peru sind das vor allem die so genannten „Nasca-Lines“ und- natürlich Machu Picchu. Haben wir uns angeguckt. War aus unterschiedlichen Gründen ganz schön anstrengend. Haben wir trotzdem gemacht. Haben ja schließlich auch einen Bildungsauftrag.

Die Nasca-Lines sind Geoglyphen. Geoglyphen ist fast sowas wie ein neues Lieblingswort von mir. Ich bin ja ein ausgesprochener Freund von Fremdwörtern. Geoglyphen sind Bilder / Figuren von größerem Ausmaß, die auf dem Boden meist als Linien zu sehen sind. In Nasca sind die ziemlich groß, weshalb man die in Gänze nur sehen kann, wenn man sich mit einem Flugzeug drüber fliegen lässt. Man zahlt gut 100 Dollar und sitzt dann für eine gute halbe Stunde mit fünf anderen Menschen und zwei Piloten in einem Kleinflieger, der sowohl im Geradeausflug als auch in den Kurven ständig absackt und wieder an Höhe gewinnt. Logische Folge: Zwei Gäste haben nur die Tüten in ihren Händen gesehen, die restlichen Fluggäste gaben alles im Hin und Her zwischen Übelkeit und Faszination. Gesehen – und versucht zu fotografieren – haben wir so Dinge wie einen Affen, einen Kondor oder einen Astronauten. Alles sicher keine Bezeichnungen, die sich die Inca ausgedacht haben. Aber so verkauft sich das halt besser. Im Grunde bestehen die Linien aus aufeinander gestapelten Steinen. Warum die sich damals allerdings die Mühe gemacht haben, so viel Geröll durch die Gegend zu schieben, weiß man bis heute nicht so genau. Hat sicher was mit Ritualen und Götterverehrung zu tun. Aber was genau…??? Man war am Ende vor allem froh, heile wieder unten zu sein.

Finanziell und organisatorisch noch deutlich aufwändiger ist der Besuch von Machu Picchu. Hat jeder schon mal gehört. Will fast jeder mal hin. War aber früher wahrscheinlich nicht so wichtig wie die nahegelegen Stadt Cusco, von wo aus die meisten ihre Tour nach Machu Picchu starten. Egal… Die Alternativen sind zahlreich. Man kann das selbst organisieren oder sich einer Agentur anvertrauen. Hat alles vor und Nachteile. Um eine komplizierte und vor allem teure Anreise kommt man aber in keinem Fall herum, denn in Ollantaytambo ist Schluss mit der Fortbewegung auf oder im eigenen Fahrzeug. Ab da übernimmt die Bahn für einen unglaublich hohen Preis den Transport bis Aguas Calientes, dem letzten Ort vor Machu Picchu. Den Berg rauf fahren Busse. Kann

man den ganzen Tag nehmen. Für ein kleines Detail ist es allerdings wichtig, in einem der ersten unterzukommen: Nur die ersten 400 Besucher pro Tag bekommen die Möglichkeit, auf einen Berg zu steigen, der ca. 400m höher ist als Machu Picchu und von wo aus man entsprechend einen – sorry – geilen Blick auf die Ruinenstadt hat (natürlich Pflicht!). Und der erste Bus geht wann? Na, um 5.30 Uhr. Das heißt: Aufstehen gegen 4:30 Uhr, weil man ja nicht ganz hinten in der Schlange vor den Bussen stehen will. Okay, hört auf, drüber nachzudenken, ob das alles Sinn macht und ob wir noch zurechnungsfähig sind. Sind wir nicht. Und gelohnt hat sichs, auch wenn der Aufstieg auf den Extraberg mich verdammt viel Schweiß gekostet hat und ich Höhe ja eigentlich überhaupt nicht ertragen kann.
Als wir uns auf den Heimweg machten, hatten wir gute acht Stunden in den Ruinen verbracht, mystische Wolken und Sonne gesehen, verdammt viele Fotos gemacht, uns die Füße plattgelaufen und sind trotzdem nicht schlauer, wozu die Inca das alles da oben überhaupt gebaut haben.  Aber wenn ihr mal in der Nähe seid, vergesst den Aufwand, den ihr betreiben müsst. Lohnt sich trotz allem.

Peru haben wir derweil hinter uns gelassen und sind auf dem Weg zurück in Richtung Süden. Wollen noch was von Bolivien sehen, bevor es nach Argentinien und Uruguay geht. Demnächst mehr davon. Versprochen.


Posted in Südamerikareise by with 1 comment.

Pingbacks & Trackbacks

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert