Cataratas

Uruguay habe ich schweren Herzens hinter mir gelassen. Nicht nur die Gastfreundschaft von Vero und Roberto war ergreifend und man fühlte sich bereits als Teil der Familie. Es fing bei der Begrüßung in diesem Land an. Wie stets muss für das Motorrad eine befristete Aufenthaltserlaubnis erteilt werden. Nur in Uruguay verlief das sehr unkompliziert und kurzweilig. Ein netter Herr am Hafen nahm sich die 10 Minuten für mich, füllte die Papiere aus und erkundigte sich nach meinen Reiseplänen. Am Ende war da der überraschende Handschlag und ein: „Herzliches Willkommen in Uruguay“.

Dann trafen noch Heikki und Ulla bei Noel ein, kurz bevor ich aufbrach. Es blieb Zeit für einen kurzen Schnack, immerhin hatten wir unsere Motorräder gemeinsam verschifft und konnten genüßlich über das Grenzprozedere ablästern. Am Ende ging alles gut und wir sind beide froh, die Reise wie geplant durchführen zu können.

Mein nächstes Ziel hieß Iguazu. Unvorstellbare 1500 km weiter nördlich, im entlegensten Zipfel Argentiniens soll es liegen, dieses Massiv aus Wasser und Stein, an dem täglich 1500 m³ Wasser/Sekunde ins Tal schießen. Meine erste richtige Tour also und meine Zieheltern verstießen mich sichtlich leicht in die Wildnis – der Junge soll wohl endlich erwachsen werden.

Die erste Nach ist wohl immer schlimmste. Und das ich nicht wie geplant in Young nächtigen konnte, wurde mir geraten weiterzufahren nach Paysadun, da gäbe es einen Zeltplatz. Wenn, dann habe ich ihn nicht gefunden und siedelte spontan im Stadtpark am Ortseingang. Immerhin stand dort schon ein Zelt als ich ankam. Wäre ich ein Mädchen gewesen, hätte ich mir ordentlich in die Hose gemacht und die ganze Nacht kein Auge zugetan. Als Mann blieb mir nix weiter übrig als cool zu bleiben oder ins Hotel zu gehen. Leider ist Paysadun nicht viel hübscher als Young und dementsprechend sollte es doch ein Campingurlaub werden.  Die Leute verkrümelten sich gen Abend, auch die Zwielichtigen und ich baute schön mein Zelt auf und machte es mir gemütlich. Zu Essen gabs eine leckere Pasta, selbstgekocht auf eigener Flamme 🙂 Und dann passierte es, ich war gerade fertig mit aufbauen, der Park dunkel und die Glühwürmchen begannen wie wild Disco auf der Wiese zu spielen, da steuerte ein Motorrad ziemlich direkt mit grellem Licht auf mich zu. Schön, wenn ich jetzt wieder abbauen muss, wo ich doch mit allem gerade fertig geworden bin 🙁 Es war der Stadtpolizist, der seine Runde durch die Gründanlagen der Örtlichkeit drehte. Auch er begrüßte mich mit Handschlag: „Buenos tardes!“. Ich lächelte und hoffte, dass die Uniform echt ist. Was dann kam, überraschte mich doch. Aber was wäre Uruguay ohne seine Gastfreundlichkeit. Eigentlich bewunderte er mein Motorrad und wollte alle Einzelheiten wissen. Im Schein seines Scheinwerfers konnte er alles genau begutachten. Marke, Geschwindigkeit, Hubraum, Zylinder – das sind die ersten Vokabeln die ich hier lerne. Zum Abschluß gab er mir sichtlich  beeindruckt nochmal die Hand, Zelten auch gar kein Problem und fuhr weiter seine Runde. Ich schlief die Nacht relativ ruhig und entspannt durch, soweit es der Verkehr zuließ 😉

Am folgenden Tag passierte ich die Grenze nach Argentinien und durfte anderthalb Stunden auf mein Motorradformular warten. Der Computer sei kaputt, viel ihm nach einer halben Stunde auf. Danach ging es kontinuierlich nach Norden, vorbei an zahlreichen Seen und Feldern, LKWs, Autos und viel Seitenwind. Unter dem wolkenlosen Himmel kann die Sonne so eine schwarze Motorradvollmontur ordentlich aufheizen und so war ich überglücklich als ich Yapegu erreichte. Ein Nest irgendwo im Nirgendwo, aber direkt am Rio Uruguay gelegen. Nichts wie raus den Klamotten und ab in den Fluß. Die Abkühlung war herrlich und mit ein bisschen Hilfe hatte ich den Campingplatz leicht gefunden. Den Abend konnte ich mit dem Blick über den See beenden und den nächsten Tag damit beginnen. Genau so sollte  die Reise für die nächsten Monate bleiben.

Schon nach 3 Tagen erreichte ich Puerto Iguazu, das Tor zu den berühmten Wasserfällen. Der Campingplatz ist spartanisch und direkt nebenan wird ein Hotel hochgezogen. Aber was solls, ich befürchte, das war noch nicht die lauteste Übernachtung der Reise. Am Abend erkundete ich den Ort und füllte meine Vorräte auf. Gleich am nächsten Tag ging es zu dem Wasserfällen. Sie sind abseits der Stadt gelegen und an einem Donnerstag nicht so überlaufen wie wohl am Wochenende. So machte ich meine Runde auf den zahlreichen Rundwegen und verbrachte gute 5 1/2 h im Park. Die Wasserfälle sind unheimlich beeindruckend. Nachdem ich die Niagarafälle bereits kenne, kann ich sagen, dass mich Iguazu umso mehr beeindruckt hat. Sie mögen nicht so hoch sein, aber in ihrer Breite und Ausdehnung unbeschreiblich schön. Hinzukommen die Rundwege, durch die sich die Besucher nicht an einer Stelle drängeln, sondern man vielfältige Möglichkeiten geboten bekommt, Postkartenmotive zu schießen. Das Ziel war die Reise wert und wurde am Ende ordentlich belohnt.

Morgen geht es auf nach Cordoba, meine verlorenen Eltern einsammeln. Bis dahin heißt es nochmal gute 1400 km zurücklegen und Lila liebgewinnen. Sie ist ein reizendes Mädchen und macht bisher alles anstandslos mit, was ich von ihr will (Bitte kommentieren!) 😀

Roman.


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