On the road again…

Etwas mehr als sechs Wochen ist es her, dass wir uns in Berlin auf die Mopeds gesetzt und uns auf den Weg Richtung Süden gemacht haben. Schnell durch Tschechien und Österreich, Entschleunigung in Slowenien, vier Wochen Italien und knapp zwei Wochen Albanien. Wir haben eine Weile gebraucht, um auch im Kopf weg- und im Reisemodus anzukommen. Vielleicht hat nicht zuletzt eine Krise geholfen.
Italien wartete mit schönen Städten wie Verona und Bologna, mit Landschaften wie der Toskana und der Amalfiküste, mit Geschichte (Pompei) und Kultur (Paestum) und natürlich mit gutem Essen auf uns. Könnte man alles ewig machen, wenn das Budget keine Grenze hätte.

Ein zusätzliches Loch in die Reisekasse – und damit zur angekündigten Krise – riss am Ende eine verschmorte Lichtmaschine. Deren Reparatur zog sich, weil die Ursache erst falsch diagnostiziert wurde (Gleichrichter), das entsprechende Ersatzteil aus Deutschland wegen eines italienischen Feiertages länger brauchte, dass Problem damit nicht behoben war, samstags ab Mittag aber natürlich niemand mehr arbeitet, Montag die jetzt benötigte Lichtmaschine nicht vor Ort war… nervenzehrend, wenn man es nicht wirklich in der eigenen Hand hat. Dann lief die Karre endlich wieder und hat bis jetzt auch nicht mehr aufgehört damit. Wir haben den Süden Italiens einschließlich Siziliens aber für dieses Mal gestrichen.

Mit der Fähre über Nacht von Bari nach Durrës (Albanien) fing ein neues Kapitel an. Kein Euro mehr. Kein Telefonieren und mobiles Surfen zum heimischen Tarif mehr. Was gleich blieb: schlechte Straßen und schlechte wie dreiste Autofahrer. Und was wurde schöner? Die Menschen interessierten sich plötzlich für uns. Man wurde herzlich begrüßt und kam ins Gespräch. Das hatten wir in Italien ein wenig vermisst. Landschaftlich sind Albanien und Nordmazedonien (dahin haben wir einen längeren Ausflug gemacht) phantastisch. Bei der Präsentation Ihrer Kulturstätten können Sie moderner werden. Das Essen ist günstiger als in Italien aber lecker. Und dafür, dass Albanien nicht größer ist als Brandenburg, hat es schon viel Abwechslung zu bieten. 

In ein paar Tagen werden wir nach Griechenland ausreisen und von dort über Bulgarien in die Türkei fahren. Wir freuen uns drauf.

Seid auf Instagram dabei: @kulturverschoenerung

Oder folgt uns hier im Logbuch unter Georgienreise.


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Neues in Planung

Lange ist hier nichts Neues passiert. Was vor allem daran liegt, dass wir unsere zweirädrigen Schätzchen eine ganze Weil nicht auf längere Touren ausgeführt haben. Das soll sich schon bald ändern. Der Plan: Einmal nach Georgien und zurück. Wir haben sechs Monate Zeit und nehmen Ici (F650GS) und Caballito (F800GS) mit. Start wird nach Ostern sein, also Anfang April. Dann erst einmal Richtung Italien.

Ici

Anders als bei den letzten Touren werden wir hier im Blog aber keine Texte veröffentlichen. Wir haben uns entschieden, mal dieses Instagram auszuprobieren. Da könnt ihr uns gerne folgen: @kulturverschoenerung.
Außerdem werden wir im März diese Seiten hier auf eine andere Domain umziehen: kulturverschoenerung.de.
Was hier während der Reise aktualisiert werden wird, ist allenfalls ein Logbuch für die Tour.

Ihr werdet euch denken können: Wir haben Vorfreude wie Bolle! Ihr doch auch???


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Sauna, Akka, Lava

Wir wohnen seit ein paar Tagen auf der Baustelle, die das Sommerhaus von Heikki und Ulla ist. Von einem HäusCHEN oder einer Datsche kann man eigentlich nicht sprechen. Es ist ein bisschen zu groß. Aber es wird noch ein wenig dauern, bis Heikki es komplett fertig gebaut hat. Er macht das alleine. Ist aber egal. Die Sauna – sie wurde in den Fels gesprengt – ist nämlich schon fertig. Also kann man hier auch wohnen. So ist das bei den Finnen. Und es gibt schlechtere Plätze, um ein Haus zu bauen. Etwas erhöht liegt es über der Bucht eines großen Sees. Drumherum viel Wald und ein Nachbarn, den man nicht wahrnehmen kann. Man könnte Fische fangen, wenn man es könnte. Ich kann es offenbar nicht. Habe aber Spaß am Versuch. Jana hingegen versucht sich in Dingen, die sie beherrscht: Fotos vom selben Motiv mit unterschiedlichem Licht machen. Irgendwie wie Urlaub.



Da wir aber immer an der Kultur der Länder interessiert sind, die wir besuchen, haben wir gestern auch an einer traditionellen Tanzveranstaltung teilgenommen. Mehr passiv aber immerhin. Dafür gibt es hier eigene Gebäude. Man nennt das dann Lava und in diesem Fall Kajaste Lava. In einem etwa zehneckigen Raum bewegten sich zahlreiche Paare unterschiedlichsten Alters zu Livemusik tanzend gegen den Uhrzeigersinn um den Mittelpfosten. Die Musik kam von einer kleinen Bühne und wurde von Jungs dargeboten, die man ihrem Äußeren nach eher beim Rockfestival erwartet hätte, das gleichzeitig in einer Stadt 130 Kilometer südlicher vermutet hätte. Wohlklingender Name der Kombo: Tanssiorkesteri Esteri. Gespielt wurden Klassiker finnischen Tangos, Humppas und Schlagers. Im Tanzraum war das Essen, Trinken und Rauchen streng verboten. Wir ließen uns belehren, dass es eine ganze Bewegung gäbe, die jedes Wochenende mit ihren Campern zu derlei Tanzveranstaltungen führen.
Um kurz vor 23 Uhr dann der Auftritt von Jean S. Dabei handelte es sich nicht um einen gesuchten französischen Schwerverbrecher. Vielmehr gab eine finnische Showband Coverversionen finnischer und internationaler Klassiker zum Besten. Das war lustig. Getoppt hätte es vielleicht werden können, wenn sich unsere Sprachkenntnisse nicht auf unsinnige Kurzsätze beschränken würden. Dazu gleich mehr. Nach zwei Stunden endete der Auftritt mit dem Absingen finnischer Kinderlieder unter Einbezug des Publikums. Also außer Jana und mir natürlich. Dann fuhren wir zurück in unser Haus – um eine interessante Erfahrung reicher und nüchtern, versteht sich!

Mit Sprachen, die man nicht beherrscht ist es ja immer ein wenig schwierig. Man lernt erste Worte, weiß aber nicht, ob man sie auch so ausspricht, dass man verstanden wird. Da hilft nur eines: ausprobieren! Ich empfehle aus eigener Erfahrung folgendes Vorgehen: Man lerne einen Satz, den man sich vom Mutterprachler  (hier Heikki) hat beibringen lassen. In meinem Fall war es ein sehr kurzer Satz, was sich anbietet. Mein Satz lautete: „Turpa kiinni, akka!“ Heikki hatte ihn mir beigebracht, weil ich nach der Bedeutung des Namens ‚Akka-Koli‘ fragte. Das ist der höchste Punkt Ostfinnlands – super Aussicht! Wissend um die etwas fragwürdige Bedeutung des Satzes weihe man noch weitere Begleiter mit Sprachkenntnis ein (hier Ulla) ein, auf das sie nicht überrascht werden. Bei passender Gelegenheit dann, schleudere man den Satz seiner Partnerin so laut entgegen, dass mindestens die umstehenden Menschen Kenntnis nehmen und beobachte die Reaktionen.
Wir standen zu dritt vor einem Gebäude des Aussichtpunkts und ich nutzte die Gelegenheit, Ulla mein Experiment anzukündigen: „Heikki hat mir einen Satz auf Finnisch beigebracht. Ich werde ihn gleich benutzen. Du wirst entweder entsetzt sein oder lachen.“ Sie schaute ein wenig irritiert aber das musste reichen. Jetzt kam Jana als letzte aus dem Gebäude und drängte: „Wir müssen die Seilbahn nach unten bekommen.“ Das war meine Chance: „Turpa kiinni, akka!“ schleuderte ich ihr entgegen. Und die Wirkung war erstaunlich! Weniger bei Jana, die mich ja nicht verstehen konnte. Eher schon bei Ulla, die durchaus… wie soll ich sagen… erstaunt war. Über den Satz als solchen zum einen. Zum anderen aber vor allem über die Blicke sämtlicher Umstehender, die sich sofort zu uns umgedreht hatten. Hach, welch Späßchen! Ich stieg in die Seilbahn und war verschwunden, Gewinner, der ich war! Und offenbar hatte Heikki bei der Übersetzung nicht geflunkert. Der Satz lässt sich wohl am ehesten wie folgt übersetzen: „Halt’s Maul, alte Schachtel!“


In diesem Sinne bleibt tapfer,

Paddy

PS: Geht doch!


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Like Coming Home

Wir müssen uns ein wenig entschuldigen. Bei unseren werten Lesern, weil es eine kleine Pause gegeben hat. Vor allem aber bei den drei baltischen Republiken, weil wir ihnen definitiv nicht so viel Zeit gewidmet haben, wie sie verdient gehabt hätten. Die Verabredung mit Heikki und Ulla in Finnland hat uns einen Termin gesetzt, den wir anders kaum gehalten hätten. Also zwei lange Etappen und ein Ruhetag vor der Fährfahrt nach Helsinki. Das heißt auch: Wenig zu erzählen von den Ländern. Landschaftlich – soweit zu beurteilen – wirklich schön. Die Autobahnen durchaus gut ausgebaut und die Menschen, mit denen wir dann doch gesprochen haben, durchweg freundlich und hilfsbereit. Um aber auch gleich ein Pauschalurteil zu fällen: Autofahren konnten sie in all den vier Ländern von Polen bis nach Estland nicht wirklich gut. Das ist aber auch schwierig, wenn die wichtigste Aufgabe des Fahrens offenbar nicht das sichere Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Überholen als solches und auf jeden Fall, egal was es koste, ist. Vier Autos passen doch locker nebeneinander auf zwei Spuren. Und wegen Gegenverkehrs direkt neben dem eigentlich zu überholenden Motorrad wieder auf die rechte Spur einzuscheren ist doch auch kein Problem – jedenfalls nicht für den Autofahrer. Naja, alles gut überstanden.


Ruhetag dann im Nationalpark Lahemaa östlich von Tallin. Küstenlandschaft mit vielen Nadelbäumen, einigen Birken und vor allem vielen Findlingen im Wasser. Man darf sie guten Gewissens malerisch nennen. Wir entschieden uns für den zweiten der beiden vorhandenen Campingplätze – der Garten eines Privathauses. Die Alternative wäre eine Art „Ferienlager“ gewesen, dass Jana an ihre Kinderzeiten erinnerte. Das haben wir später auch zweimal besucht, weil es da W-Lan gab und was zu essen. Beim ersten Besuch wirbelte dort eine Schülergruppe herum. Beim zweiten waren es gleich ca. hundert Erwachsene. Deshalb gabs dann plötzlich nichts mehr zu trinken für uns. Gefeiert haben sie bis ungefähr um 2 Uhr nachts. Das war nicht soooo weit weg von unserem Zelt. Auch überlebt. Genau wie die Mücken. Ansonsten: Gelesen, Mopeds gewartet, in der Sonne gelegen, Wäsche gewaschen.


Uns war ja schon bei unserem ersten Besuch in Tallin (das war so 2006) der hohe Anteil finnischer Jugendlicher in der Stadt aufgefallen. Eine Auswirkung der finnischen Alkoholpreispolitik, wie wir erfahren durften. Es ist billiger, mit der Fähre von Helsinki nach Tallin zu fahren, sich volllaufen zu lassen, zusätzlich pallettenweise Bier einzupacken und dann mit der Fähre zurückzufahren als sich in Helsinki zu betrinken.
Es gibt zwei Fähren für die Fahrt von Tallin nach Helsinki. Eine braucht zwei Stunden, die andere dreieinhalb. Man bucht die längere. Wir, weil sie billiger ist. Die anderen, weil man mehr Zeit hat, weiter zu trinken. Wir haben nur gehofft, dass die Gruppen wenigstens jeweils einen dabei haben, der noch fahrtüchtig genug wäre, ein Fahrzeug unfallfrei von der Fähre zu manövrieren. Wir werden es nicht erfahren: Wir durften die Fähre als Erste verlassen!


Nach einer Nacht auf einem Campingplatz knapp außerhalb Helsinkis und ein paar Stunden Stadtbummels – Helsinki kam ein wenig unspektakulär daher, so insgesamt – machten wir uns auf Richtung Norden. Beim Sommerhaus von Heikkis Bruder, Timo, und dessen Frau, Sinikka, sollten wir Heikki und Ulla treffen. Nach allem, was wir erfahren haben, gibt es in Finnland: 5,4 Mio. Einwohner, ca. 188.000 Seen, ungefähr 500.000 Sommerhäuser und gut 3 Mio. Saunen. Die Prioritäten sind also klar gesetzt. Es ließe sich hier prima leben, wenn nicht gleichzeitig alles so teuer wäre. Wir allerdings hatten Glück, denn wir hatten unglaublich nette Gastgeber! Die haben uns die Sauna angeschmissen, ein dickes Filet auf den Grill gepackt, ein frisches Lachsfilet in den Heißräucherofen gehängt und uns gezeigt, wo das Bier im Kühlschrank steht. Leute, macht’s gut, wir bleiben hier! Schauen uns allerdings erst noch ein wenig um. Von Joutsa sind wir nunmehr auf dem Weg nach Nurmes, wo Heikki und Ulla groß geworden sind und wo sie – na was wohl?! – ein Sommerhaus haben bzw. gerade bauen. Die Sauna ist aber schon fertig! Nur mit dem Internet ist es noch ein wenig schwierig. Könnte also wieder ein paar Tage dauern bis zum nächsten Bericht.

Bis denn,
Paddy


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Gib dem Wolf keine Chance

Mit den Mächtigen dieser Welt war es ja schon immer so, dass sie sich am liebsten mächtige Gebäude bauen ließen, um später nicht in Vergessenheit zu geraten. Menschen plagten sich, um Steinquader aufeinander zu türmen, auf dass man sagen würde: Welch ein Herrscher! Meistens finden Forscher die Reste – mal besser, mal schlechter erhalten – irgendwann in einem Wald oder Dschungel und sind dann bis ans Ende ihrer Tage mit der Rekonstruktion beschäftigt. Schließlich kommen Touristen und versuchen – im besten Falle – sich vorzustellen, wie das Leben damals wohl so gewesen sein mag, welcher Prunk gestrahlt haben könnte, welche gotthuldigenden Rituale vollzogen worden sein mögen.

Soweit die epische Einleitung. Jetzt schaut euch mal an, was diese Gedanken auslöste.



Ich dachte spontan an die Pyramiden-Ruinen in den Urwäldern Mexikos.

Mitten im Wald der wirklich wieder schönen polnischen Masuren, umgeben von Mooren und entsprechend in der Hauptsache bevölkert von Mücken findet sich, was einst als Adolf Hitlers Kriegshauptquartier für die Planung des Russlandfeldzugs gebaut wurde: die „Wolfsschanze“. Ruinen einer kleinen Bunkerstadt. Führerbunker, Göring-Bunker, Bormann-Bunker, Keitel-Bunkel, Jodl-Bunker, allgemeiner Luftschutzbunker, Gästebunker und die üblichen obligtorischen Begleiter: Kasino, Kino, Teehaus und Bahnhof.
Neben dem Russlandfeldzug wurden hier auch Deportationen geplant. Und bei genauerem Hinsehen war es auch nicht mehr wirklich weit her mit der Schönheit der Reste. Vielleicht ist es so, dass von jedem bleibt, was er produziert. Von dieser Zeit der Deutschen bleiben Trümmer meterdicken Betons, zu dick, um sie komplett verschwinden zu lassen. Im Übrigen von den Abziehenden selbst so hinterlassen. Hitler bevorzugte die Ruinenlösung. So oder so. Und überall.


So klettert man durch die Trümmer – „bitte die Wege nicht verlassen – Lebensgefahr!“ – und ist beeindruckt von der dem normalen Menschenverstand irgendwie bekloppt erscheinenden Bereitschaft, sich für die Durchsetzung der eigenen Macht mit derart dicken Mauern zu umgeben. Leben stellt man sich oder stelle ich mir anders vor. Aber vielleicht bin ich auch nicht das Zielpublikum. Wenigstens das „Drumherum“ spricht nicht dafür. Am Eingang begrüßt einen ein Wachstand mit Kübelwagen, MGs, Munitionskisten, einem SMS-tippenden Angestellten in Wehrmachtsuniform und der Möglichkeit, sich gleich mal in Schützenstellung fotografieren zu lassen. Auf dem Gelände gibt es eine ähnliche Möglichkeit noch einmal. Nennt sich dann Schießstand und man kann sowohl die Waffen als auch die Uniform wählen, mit der man abgelichtet werden möchte. Toll! Ob die Waffen, die zum Verkauf an der Wand hingen, echt waren, habe ich lieber nicht gefragt. Und noch was fürs Klischee: Die deutschen Autos auf dem Parkplatz hatten Nummernschilder aus LDS, LOS und OHV – Zufall.

Ach so, berühmt geworden ist die Wolfsschanze natürlich wegen eines Attentats. Eines fehlgeschlagenen. Das Stauffenberg-Attentat. Wusstet ihr aber sicher. Es gibt eine Tafel mit der Chronologie der Ereignisse (8.00 Uhr: Stauffenberg besteigt in Berlin mit seinem Adjutanten ein Flugzeug…). Und es gibt eine Gedenktafel an der Stelle, an der einst die Baracke der Ereignisse stand. Insgesamt ein sehr eigenwillig gruseliger Ort. Wie gesagt: Banalität und Macht und all die Zerstörung… Masuren allerdings ist ansonsten wirklich und ehrlich dringend eine Reise wert!!!


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Pommernland is gar nich abgebrannt

Ich habe eine Weil gezweifelt, ob es sinnvoll ist, am Mittag noch eine Führung durchs Stadion zu machen, um noch am Nachmittag etwas im Stress auf die Mopeds zu steigen. Spätestens bei der gebuchten Tour wusste ich: Richtig entschieden! 15 rüstige Damen, eine „Gymnastikgruppe“ aus dem Südwesten Deutschlands, die keine Fragen offen ließ. Allerdings, und auch das darf nicht unerwähnt bleiben, ich habe bei dieser Zielgruppe offenbar nicht die schlechtesten Karten. Diese Menge Trinkgeld war mir seit meinem Wiedereinstieg in die Stadioncrew Ende letzten Jahres noch nicht vergönnt! Naja, wenigstens was zum Nachdenken auf den anstehenden Etappen: Bin ich doch ein Schwiegermuttertyp?


Andi, der „Kollege“, den wir seinerzeit in Perú aufgelesen haben, und der uns seither nicht mehr in Ruhe lassen will – danke dafür 😉 – war pünktlich und so verließen wir die Stadt wenig später Richtung Norden, um südlich von Stettin, an der Oder, noch auf deutscher Seite, nach nur wenigen Sackgassen unsere Zelte aufzuschlagen, den Grill anzuschmeißen und… dem Regenguss guten Abend zu sagen. Das mit Andi und dem gemeinsamen Reisen ist in letzter Zeit nicht eben vom Glück gesegnet. Er isst einfach nie genug, denke ich. Jedenfalls werden wir immer nass, wenn er dabei ist. Kann natürlich auch einfach der Sommer sein? Ääääääh…. Nö.

Naja, wir haben dann wenigstens das Frühstück ausgedehnt, bevor wir mit ihm gemeinsam in Richtung Gdansk aufgebrochen sind (weise auf den festen Vorsatz hin, der sich hier andeutet: keine Deutschtümeleien in diesem Blog! Gdansk, nicht Danzig!). Andi hat uns auf halber Strecke verlassen, noch vor dem nächsten Regen. Aber kalt wars. War er halt daran schuld. Regen begrüßte uns dann erst wieder bei der Einfahrt nach Gdansk. Da hatten wir aber schon gute 370km mit viel Wald, Seen und wirklich schönen Landstraßen hinter uns. Polen, also dieser nördliche Teil, den wir bislang durchfahren haben, ist wirklich schön!

Gdansk besucht. Diese Stadt war mal die reichste der Welt, im Mittelalter. Hansestadt. Ein Pfund zum Wuchern. Und so entschied man sich nach WK II für den historisch getreuen Wiederaufbau. Das zieht vor allem Deutsche an. Wir haben spontan beschlossen, unsere Bestellungen auf Englisch abzugeben. Schien uns irgendwie angenehmer. Persönlich hat mich ja der Kran am Wasser am meisten beeindruckt. Darin sind Laufräder installiert, in denen Männer liefen – wirklich genau wie Hamster – und auf diese Weise bis zu vier Tonnen Ware aus den Schiffen hoben. Krass.
So, und wer jetzt anfängt zu romantisieren nehme dies: Durch die Fußgängerzone marschierte ein Kamerateam und drehte mit einem Kandidaten des polnischen „Supertalents“ irgendwelche Einspieler. Alles wie bei uns am Ende.

Abrundung des Abend: Besuch am Strand und Begegnung mit Swetislav und Olga auf ihrer CPI. Wir haben ihnen vom Befahren der Autobahn in Deutschland abgeraten…
Paddy


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Auf dem Sprung

Es ist entschieden: Die Reise findet statt! Am 30.6. brechen wir auf in Richtung Finnland. Mehr Mücken als dieses Jahr hier in Berlin kann es auch im Land der tausend Seen nicht geben… Der Weg ist das Ziel und er wird uns über Polen und die baltischen Republiken führen. Von Tallin werden wir mit der „Säuferfähre“ nach Helsinki übersetzen und uns dann ein Weile von Heikki und Ulla durch die Gegend leiten lassen. Zurück gehts dann über Schweden und Dänemark.

Diesmal wirds nicht ganz so lange dauern, bis wir wieder zurück sind. Geplant sind gut drei Wochen. Dafür muss aber auch nicht so viel vorbereitet werden. Einfach packen, aufsatteln und losfahren. Auch mal ein angenehmes Konzept. Keine Verschiffung, keine Zollformalitäten, nur Geschwindigkeitsbegrenzungen. Pillepalle.

Geändert hat sich außerdem ein Viertel der Zusammensetzung. Nachdem meine Suse in Kanada geblieben ist, bin ich den Transalp ja untreu geworden und habe auf ein neues Modell umgesattelt. BMW F800 GS schimpft es jetzt. Einen persönlichen Namen hat die Neue an meiner Seite allerdings noch keinen. Ernstgemeinte Vorschläge nehmen wir gerne entgegen.

So, dann mal los, würde ich sagen!

Grüße Patrick


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Aus, aus, aus…

Fantastische Tage liegen hinter uns. Nach den Bergen Rainer und Heilige Helenen waren wir noch am Berg Becker. Haben dort ein letztes Mal gecampt. Dann haben wir uns in Chilliwack von Mark und Julie verwöhnen lassen: richtiges Haus, richtiges Essen, richtiges Bett und vor allem absolut richtiges Heimkino – großartig.

Dann in die Arbeit gestürzt: Suse für ihren Neuen in Schale geworfen und Supertranse samt etlichem Gepäck in eine Kiste gesperrt. So richtig hat ihr das offenbar nicht gefallen. Auf der Fahrt zum Verschiffungsunternehmen ist sie auf einer Kreuzung einfach von der Ladefläche des Pickups gesprungen. Ja, man hätte sie fixieren können. Aber irgendwie wollten wir doch noch einmal testen, ob wirklich immer jemand da ist, der einem hilft, wenn man Hilfe braucht. Hat zu unserer größten Zufriedenheit funktioniert. Es gab am Ende weder Verletzte, noch Sachschäden oder Strafen aber ein Menge schneller Helfer. Test erfolgreich, würde ich sagen


Zur Eingewöhnung haben wir uns dann auf den Weg in die große Stadt Vancouver gemacht. Mit dem Greyhoundbus! Muss man hier ja auch mal gefahren sein. Als wir aus der Station kamen und einen Securitymenschen nach dem Weg zu unserem Hostel fragten, sagte er: „Das ist gleich da drüben. Geht aber nicht viel weiter. Die Gegend, die dann kommt, ist keine gute.“ Wir waren beeindruckt und sind dann gestern gleich mal nachts dort entlang nach Hause gelaufen. Abgesehen, dass ich Berlin lange nicht mehr so offenen Drogenkonsum gesehen habe, fühlte ich mich eigentlich relativ entspannt. Vielleicht sind wir reif für die Hauptstadt! Andererseits hat dieses Vancouver schon was mit seiner Freundlichkeit, seinen vielen Parks und dem ganzen Wasser drumrum…

Es ist also soweit: Dies ist die letzte Nacht unserer kleinen Reise durch die Amerikas. Es ist auch der letzte Artikel unserer kleinen Reise durch die Amerikas. Ich weiß, der Winter kommt und ihr wisst jetzt schon nicht, wie ihr die Zeit totschlagen sollt. Das Buch zur Tour wird aber bis dahin auch nicht fertig sein. Vielleicht fang ihr einfach an, eine eigene Reise zu planen?! Wir stehen da gerne als Gesprächspartner zur Verfügung. Also hört auf zu heulen. 😉

Hier noch ein paar Zahlen:
15 Monate
80.327 Kilometer
17 Staaten
2 Sprachen
11 Ölwechsel
7 Hinterreifen, 4 Vorderreifen
3 bzw. 4 Ketten
zahllose Menschen
zahllose Städte und Stätten
zahllose Erfahrungen
reichlich Geschichten

Alles, was an dieser Stelle zu sagen bleibt, überlasse ich einem, der mir den gesamten Weg über in den Ohren gelegen hat.

In diesem Sinne: Auf bald, Amigos!

Patrick


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