Tranquilo

Uruguay ist ein kleines Land. Für südamerikanische Verhältnisse jedenfalls. Entspricht der Fläche von Österreich und Ungarn zusammen, sagt Wikipedia. Andererseits ist es ein großes Land, wenn man gleichzeitig bedenkt, dass auf besagter Fläche gerade mal so viele Menschen wohnen wie in Berlin. Das macht – auch nach Wikipedia – 19,9 Personen auf den Quadratkilometer. Viel Platz also! Das entspannt die Menschen. Selten auf unsere Tour haben wir auf so guten Straßen so selten Autos gesehen und sind noch seltener überholt worden. Wenn dann doch mal ein Auto schneller war als wir, hatte es mit höchster Wahrscheinlichkeit entweder ein brasilianisches oder ein argentinisches Kennzeichen. Das läutete mit dem Grenzübertritt den Urlaub unserer Reise. Fünf Stationen. Fünfmal Erholung.

Station 1: Mercedes – ein Städtchen, eine Nacht, drei Geschichten
Sucht man in Südamerika eine Unterkunft und findet keine im Reiseführer, fährt man am besten erstmal zum Hauptplatz. Da landeten wir also und zogen – nachdem wir mühsam errechnet hatten, was die unbekannte Währung wert sei – Geld aus dem Automaten. Als ich dann wenigstens mal schnell das Navi nach Vorschlägen für die Unterkunft befragen wollte, stürmte plötzlich ein Mann aus dem Gebäude neben uns und fragte, ob wir eine Bleibe bräuchten. Das Grand Hotel sei super. Direkt vor demselben hatten wir geparkt. „Bisschen teuer vielleicht?“ „Nein, nein, ich mache euch einen Sonderpreis, weil ihr mit Motorrädern da seid. Ich bin der Manager vom Grand Hotel. Ich habe selber sieben zuhause. Da jüngste ist Jahrgang 1975“ Dann verschwand er wieder in dem Gebäude, quatschte mit der Rezeptionistin und offerierte uns schließlich einen Rabatt von 25%. Angesichts leerer Mägen, mangels Alternativen und wegen des sicheren Stellplatzes für die Mopeds schlugen wir ein. Grand Hotel. Tsetsetse…
Abendessen wollten wir da aber nicht. Also losgestiefelt. Zu früh irgendwie. 19 Uhr ist keine Abendbrotzeit für Südamerika. Einzige Möglichkeit ohne zu warten: der örtliche Basketballclub mit angegliederten „Pizzeria“. Angenommen. Herzlich empfangen worden und irgendwie echt Spaß gehabt.
Abfahrt am nächsten Tag über die Uferpromenade. Die sollte man gesehen oder besser erlebt haben. Vier Spuren – zwei in jede Richtung – Mittelinsel von mindestens 20 Metern und nochmal vier Spuren – zwei in jede Richtung. Viel Platz und keine Zeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzung. Da patrouillierten dann die Autos und Motorroller in Schrittgeschwindigkeit und hielten für jeden Fußgänger der irgendwo über die Straße wollte. Irgendwie „verstörend“…

Station 2: Colonia del Sacramento Altstadt bei Nacht

Den Tag hatten wir am Strand damit verbracht, unser Zelt zu trocknen und meine Batterie aufzufüllen – macht sich deutlich besser beim Start des Motors so eine volle Batterie… Dann sind wir rechtzeitig vor dem nächsten Regen in die Stadt gefahren. Parkten mal wieder zufällig vor einem Hostel, schauten rein, bekamen das letzte freie Zimmer, warteten den Regen ab und schlenderten dann mit Anbruch der Dunkelheit durch eine wirklich malerische Altstadt. Aber jetzt auch wieder nicht so beeindruckend, dass wir noch eine Nacht hätten bleiben wollen. Außerdem hatten wir eine Verabredung.

Station 3: Montevideo – Hauptstadt im Osterschlaf
In Montevideo wohnt ein Drittel der Bevölkerung Uruguays. Also jedenfalls normalerweise. Ostern ist aber nicht normal. Und es war Ostern. Kaum ein Platz in einem Hostel zu finden, aber die Straßen leergefegt. Auf Nachfrage sagte man uns: die Bewohner sind über die Feiertage nach Buenos Aires gefahren. Komisch. Stelle mir Frankfurt a. M. immer so vor, wenn abends die Banken dicht haben und die Banker alle in die teuren Vororte fahren. Wo allerdings die Touris alle waren, die unsere die Hostelplätze belegten, keine Ahnung. Wir schlenderten, bis uns die Füße wehtaten, aßen bei McDonalds und trafen uns dann noch mit Rick, weil der nett ist und wir ihm seinen letzten Abend versüßen wollten. War schön jewesen.

Station 4: Punta del Diablo – das andere Strandparadies

Wir wollten doch das getrockneten Zelt noch einmal benutzen und zwei  Tage abhängen, bevor es nach Punta del Este ging, wo Orga angesagt war. Also Zeltplatz angesteuert. Dort sagte uns der Besitzer wir könnten nur eine Nacht bleiben, weil er am nächsten Tag die Saison beenden werde. Naja, auch gut. Schöner großer Zeltplatz mit vielen Bäumen und wenigen Zelten. Sind aber, nachdem das Zelt stand, trotzdem gleich wieder auf die Räder und Richtung Strand. Der kleine Ort mit bemerkenswerten Namen entpuppte sich als extrem entspanntes Surferparadies mit cooler Naturmole, auf der wir die nächsten zwei Stunden mit Glotzen verbachten, um dann noch eine Paella zu verputzen. Sehr schöner Abend. So richtig Urlaub. Über La Paloma mit nochmal Strand und zelten ging es wieder Richtung Westen.

Station 5: Punta del Este – zu Gast bei Freunden

Der Kontakt kam über Tony und Ina zustande, die hier im letzten Jahr ihre Motorräder „geparkt“ hatten. Das wollten wir auch. Und die beiden meinten immer nur: „Kein Problem! Könnt ihr machen.“ Trotzdem: Man hat ja doch ein komisches Gefühl, zu Leuten zu fahren, die man nicht kennt, und sie zu bitten, ob man erstens ein paar Tage bei ihnen pennen und zweitens seine Mopeds für einige Zeit bei ihnen unterstellen kann. Aber was uns hier erwartet war eine Herzlichkeit, die man selbst in Südamerika nicht selbstverständlich nennen kann. Noel, Andrea und ihre zwei Kinder Augustin und Adelina wohnen in La Barra, einer Art Vorort von Punta del Este, DEM Strandort Nummer Eins in Uruguay (und Argentinien!). Und es war für sie keine Frage, uns ihr schönes Gartenhaus zur Verfügung zu stellen, so lange wir da waren. Sie machten mit uns eine Motorradtour, gingen mit uns segeln, regelten die Inspektion der Motorräder für uns und sorgten vor allem für unser leibliches Wohl. Das alles mit allergrößter Fürsorge und sowas von nett!!! Wir freuen uns jetzt schon, sie bei Tonys Hochzeit in Berlin und dann bei unserer Rückkehr zu sehen! Das waren noch einmal fünf richtige Urlaubstage!

So klingt eine lange Tour unglaublich angenehm aus. Wir sind mittlerweile wieder in Buenos Aires, von wo übermorgen der Flug nach Berlin geht. Aber noch sind wir hier. Und wir wollen euch teilhaben lassen. Also schaut euch auch noch einmal bei den Fotos um. Da haben wir gerade nochmal mächtig nachgelegt!!!


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